Second Coming

Weil sich ihre spitze Nase gegen die tiefstehende Sonne nicht ablichten ließ, hier nur die auch nicht unfotogene Kehrseite von Gib-mich-Honig, der Zwoten:

Neu auf dem Platz der Republik

Neu auf dem Platz der Republik

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Abschiede (3)

Mit Sehenswürdigkeiten ist Wuppertal nicht eben reich gesegnet. Wer noch eine zweite nach der einen – immerhin weltberühmten! – benennen soll, gerät in Verlegenheit. (Und selbst diese eine löst bei manchen Ortsansässigen Unmut und Scham aus, weil sie in erster Linie den Blick in wenig präsentable Hinterhöfe eröffnet und keine Rundfahrt vorbei an den mutmaßlichen Schokoladenseiten der Stadt abwirft. Immerhin setzen die höheren Mächte im Rathaus inzwischen alles daran, die Geschichte der Stadt zu entsorgen, indem sie das Flussufer durchgehend zum Siedlungsgebiet für Discounter, Baumärkte, Klopsbrater und Altenheime umwandeln. Bald wird die Talachse endgültig so aussehen wie in anderen Städten die Ausfallstraße zur Autobahn.)

Egal. Sehenswürdigkeiten sind sowieso überschätzt. Als Ureinwohner setzt man von jeher auf die Auswärtigen schwer vermittelbaren Kleinmeister der urbanen Idyllik. Und in diesem Genre hat Wuppertal so manches zu bieten. Zum Beispiel einige der bemerkenswertesten städtischen Parks der Republik, als da wären die Barmer Anlagen und der Vorwerk-Park. Oder der ganz entzückende Botanische
Garten auf der Hardt.

Da sich die oben genannten Akteure seit 2006 alle Mühe geben, dieses Kleinod in eine Eventhölle umzuwandeln, fiel uns der von Alleinunterhalterorgelklängen und Luftballonhundeknotermonologen begleitete Abschied nicht ganz so schwer.

akzenta

(Aus gegebenem Anlass mal wieder eine olle Kamelle nah am Mindesthaltbarkeitsdatum: )

Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich ihn vermissen werde, aber es ist durchaus angenehm, 300 Meter entfernt von der »größten Lebensmittelauswahl in NRW«, dem Barmer akzenta zu wohnen. Wenn ich meinen Einkaufswagen durch den Laden schiebe, bin ich sogar geneigt, dem Claim zu glauben. Es mag Supermärkte geben, die stückzahlmäßig mehr Zeugs in den Regalen stehen haben, aber in keinem mir bekannten ist das Angebot so weitgefächert. Das Grundsortiment kommt von der Rewe Dortmund, und wird ergänzt durch Produkte aus der Region sowie 1a Spezialitäten von allen möglichen Anbietern, in epischer Breite. Fair gehandelte und Biowaren sind ebenfalls zahlreich vertreten1. Und die hauseigene Metzgerei ist ebenfalls nicht zu verachten.

Relativ klein gehalten ist der Non-Food-Bereich, eher auf den täglichen Bedarf ausgerichtet: Schreibwaren, Zeitschriften, Nähzeug, Kochutensilien, die Richtung. Kleinmöbel oder Unterhaltungselektronik hat man dankenswerterweise nicht im Programm, auch nicht als Aktionsware (wenn man mal vom Tchibo-Shop-in-Shop-Regal absieht).

Entgegen einem in Wuppertal weit verbreiteten Urteil ist das Einkaufen im akzenta nicht unbedingt kostspieliger als bei den großen Discounter-Ketten, denn auch das untere Preissegment ist in voller Breite vertreten – es ist bloß nicht immer ganz leicht aufzufinden, weil es in der Angebotsvielfalt untergeht oder ganz unten im Regal steht. Die Obst- und Gemüseabteilung stellt eine Herausforderung dar – dass alles immer verfügbar ist, also aus energieintensiver Treibhauszucht eingekauft wird, schlägt, wie ich vermute, per Mischkalkulation aufs Preisniveau durch, die Amplitude übers Jahr ist nicht sehr groß, auch zu Haupterntezeiten sinken die Preise nur wenig. Da bevorzuge ich das Angebot auf dem Barmer Wochenmarkt.

Das Stammhaus ist eher organisch in ältere Bausubstanz hineingewachsen, verzweigt sich in allerlei Nebenräume, was nicht eben zur Übersichtlichkeit der Warenpräsentation beiträgt. Immerhin hat man in jüngerer Zeit einige Modernisierungsanstrengungen geleistet, durchaus erfolgreich. Die gewisse Krosigkeit hat aber auch ihren Charme. (Die Ableger in Elberfeld und Vohwinkel haben es in dieser Hinsicht leichter, weil sie in Neubauten residieren.)

Das erfreulichste aber: Das Einkaufen geht selbst im größten Gedränge noch entspannt vonstatten, weil auf den Einsatz von zahlreichem Personal nicht verzichtet wird. Man findet immer einen mehr oder minder kompetenten, auf jeden Fall aber bemühten Ansprechpartner, wenn man mal ratlos im Gang steht. Und auch die Kassen sind stets so zahlreich besetzt, dass Schlangenfrust nicht aufkommt.

(Wer nach akzenta googelt, wird übrigens weitere Märkte gleichen Namens außerhalb von Wuppertal finden, die jedoch bis auf den Namen und die Rewe-Beziehung mit dem Barmer akzenta und seinen genannten Ablegern nichts gemein haben.)

[so ähnlich am 22.10.2006 ins Regal von Qype gestellt]


1 Der (Wuppertaler!) Anbieter der fair gehandelten Waren möchte übrigens nur nach erteilter schriftlicher Genehmigung verlinkt werden. Du meine Güte! Webagenturen und Textbausteine.