Abgefahren (Anschluss)

Vergangenen Dienstag habe ich der Bahn das verlangte zweite Passfoto geschickt (Einsendeschluss wäre der 9.3. gewesen). Am gestrigen Samstag lag dann ein – diesmal an mich adressierter – Umschlag von der DB Fernverkehr AG im Briefkasten. Kurzes Befingern – ja, da ist eine Plastikkarte drin. Das ging aber fix.

In der Wohnung aufgemacht, und tatsächlich ein Schrieb drin, auf dem eine BahnCard klebt, mit meinem Namen. Aber ohne mein Konterfei. »Sehr geehrter BahnCard-Kunde, heute erhalten Sie Ihre neue BahnCard 50*«, und unten am Blattrand dann die Fußnote in 5 Punkt: »Leider liegt uns kein Foto von Ihnen vor: Daher haben wir Ihre BahnCard 50 ohne Bild ausgestellt. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass Sie sich bei einer Fahrkartenkontrolle zusätzlich mit einem Lchtbildausweis (z.B. Personalausweis) ausweisen müssen.« Wie es um mein Verständnis bestellt ist, kann man sich denken.

Ansonsten ist der Brief mit drei Absätzen Marketing-Blabla befüllt. Am besten der letzte: »Sie haben Familie? Dann profitieren Sie noch stärker von Ihrer BahnCard 50. Denn Ihr Lebens- oder Ehepartner erhält eine eigene BahnCard 50 zum halben Preis«. Also mal davon abgesehen, dass man es mit der direkten Ansprache auch übertreiben kann und die letzten beiden Sätze einfach sprachlich und inhaltlich falsch sind, weil ja nur eine Möglichkeit angepriesen wird, wäre da noch folgendes zu tadeln: »Streuverlust bezeichnet Adressaten, die durch belegte Werbeträger zwar mit einer Werbekampagne erreicht werden, die aber nicht zur definierten Zielgruppe gehören. Dies stellt eine kostenträchtige Fehlstreuung dar und ist zu vermeiden.« Soll sich die Gattin jetzt noch eine BahnCard kaufen, mit nochmals 50% Rabatt (was dann in summa 75% wären)? Kann sie die andere dann zurückgeben und wird ihr der Kaufpreis erstattet? Oder haltet ihr mich für einen Polygamisten? Oder ist bloß eure Kundendatenbank lausig gepflegt? Von den zwei verschleuderten Passfotos plus Briefmarke und Umschlag ganz zu schweigen.

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Bei der Behördenbahn war das früher™ so, wenn ich mir eine Monatsnetzkarte oder ein Trampermonatsticket gekauft habe: Da hat der Schalterbeamte mein Passfoto auf der Pappe festgetackert, einen Stempel draufgesetzt, mir den Kuli zum Unterschreiben rübergereicht – und fertig war der Fahrausweis. Aber den sollte man ja auch nicht in irgendwelche Automaten schieben, um damit Punkte zu sammeln, die man gegen Glasperlen eintauschen kann, und um Datenhalden zu produzieren, die vielleicht ausgewertet, aber dann vom Betrieb ignoriert werden (ich sach nur: einteiliger ICE3 freitagsnachmittags von Nürnberg nach Rhein-Ruhr, mit Stehplatzgarantie).

Abgefahren

Eigentlich ist es schon wurscht, ob Steinbrück, Tiefensee, Mehdorn und Konsorten der Coup (= Staats- und Halunkenstreich) gelingt, die DB unter der Hand zu verticken. Denn mit Deklamation der Kapitalmarktreife war die Zerstörung des Verkehrssystems Bahn bereits abgeschlossen. Zu retten ist da nicht mehr viel.

Meine Liebe zum Bahnfahren ist in den letzten Jahren peu à peu verloschen. Umso grotesker ist es, dass ich neuerdings eine Bahncard besitze, zumindest eine vorläufige. Bei der Gattin war die Anschaffung unvermeidlich, um die Kosten für die Pendelei zwischen Wuppertal und Nürnberg zu drücken. Für Ehepartner bietet die »DB Bahn« (wie die Veranstaltung seit neustem heißt) eine Bahncard 50 zum halben Preis an. Und auch für Lebensgefährten mit gleichem Wohnsitz (wohl um nicht in den Ruch zu kommen, man würde gleichgeschlechtliche Paare benachteiligen).

InterCityExpress-Modell von Trix

Also haben wir uns gezückten Persos fröhlich in die zehn Figuren lange Schlange eingereiht, die sich durch die Fahrkartenausgabe im Wuppertaler Hauptbahnhof zog. Keine zwanzig Minuten später (bei vier geöffneten Schaltern) konnten wir unser Anliegen einem Trainee vortragen. Da bahn.de mit Informationen geizt, erst mal ein paar Fragen gestellt und ein paar auch nur gemutmaßte Antworten bekommen, welche aus dem Hintergrund von der Betreuerin des Anzulernenden mit abgeklärtem Nicken bestätigt wurden: (a) Nein, man muss nicht immer gemeinsam unterwegs sein, (b) ja, die Partnerkarte läuft mit der Hauptkarte ab und (c) nein, der Wohnsitz muss nur beim Kauf der BahnCard identisch sein. Gut, wollen wir haben. Der junge Mann kramt ein Leporello von Formular hervor, trägt in seiner Panik beim Geburtsdatum das Verfallsdatum meines Personalausweises ein (»18.5.15«, die 19 beim Jahr ergänzt er flüssig – scheint der Klassiker zu sein: Ich hatte auch mal einen DJV-Ausweis, auf dem ich gerade mal 4 war, weil der Zivi am Empfang der Leipziger Jugendherberge im Jahre 1991 das Ablaufdatum beim Geburtstag eintrug … (richtig gelesen, mein Ausweis war seit vier Jahren abgelaufen)), korrigiert den Fehler auf meinen Protest hin (»Ich seh zwar alt aus, aber …«), krakelt noch Mehreres und klebt dann mein rübergereichtes Konterfei (entstammt noch der Fotosession für den Perso) an den unteren Blattrand. Unsere Adressen zu überprüfen vergisst er natürlich. Ich ahne nichts Gutes. Und prompt liegt am vergangenen Wochenende ein an die Gattin gerichteter Schrieb vom »BahnCard-Service« der »DB Fernverkehr AG« im Kasten, mit dem für die »BahnCard Partnerkarte« ein Foto von meiner einer eingefordert wird. Verschlonzt, nicht mal der Kleber taugt noch was bei der Bahn. Zum Glück gilt die vorläufige BahnCard noch bis irgendwann im April, in allen verspäteten Plastikzügen.

* * *

Und für alle, die mir bis hierhin gefolgt sind, als kleines Dankeschön für die Aufmerksamkeit abschließend noch ein Tip: Nehmt in Zukunft das Hafas der Ösis, will sagen die Fahrplanauskunft der Österreichischen Bundesbahn, wenn ihr nur eine Verbindung sucht. Hat dasselbe Datenbankbackend wie bei der DB – also auch alle innerdeutschen Züge und Busse vorrätig –, während die Benutzeroberfläche mit ein paar hübschen Features daherkommt, die es bei die Bahn so nicht gibt: Zum Beispiel kann man sich ohne wildes »früher«- und »später«-Geklicke erste und letzte Verbindung eines Tages auswerfen lassen, oder schicke PDFs für eine Relation. Und anders als ihr deutsches Pendant ziert sie sich nicht lange, sondern rückt umgehend mit den Ergebnissen heraus.

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[Nachtrag: Es geht geht noch weiter …]

This Year’s Model

RT25, Armadillo, Cobh, Itsy-Bitsy, Wizard, Backcountry Guide 32 L, Red Rock 25/35, AC Lite 15/20/25, ACT Lite 35+10 SL/40+10, ACT Trail 28 SL/32, Attack, Bike I, Cross City, Edge 30, Futura 22 SL/26 AC SL/28 AC/32 AC/34 AC SL, Giga, Giga II, Giga Office, Gigant, Go Go, Gröden 30 SL/35, Hokus-Pokus, Nordic 700, Race EXP Air, Razor, S-Lite, Speed Lite 10/15/20/30, Spider, Superbike, Trans Alpine 25/26 SL/30, Zugspitze 20 SL/25, Kanken, Kanken Big, Packer, Corker, ORC 30/35, Tight Evo Medium, Tight Large/Medium, Tight Pro Large/Medium, Berkeley, Berkeley S, Carry On, Schoolmate, Tacoma, Business Organizer für Shuttle-Produkte, Cor13, Flight, Packman Pro, Track, Velocity, Velocity Sailing-Line, X-Cursion, City Trail, Expert, Magpie, Patwin, Prince, Server Pack, Stroll Pack, Superlight, Borealis, ION 20, Ion 18, Isabella, Jester 28, Pandora, Recon, Mini Rock Comfort 16, Rock Ultralight Comfort 25, Brenta 26, Ultra Hiker 20, Flux

Wir haben es danach vorgezogen, das alte Modell vom örtlichen Handwerksbetrieb nochmal notdürftig instandsetzen zu lassen.

Wer rät, was wir uns da in einem Online-Shop angeschaut haben?