akzenta

(Aus gegebenem Anlass mal wieder eine olle Kamelle nah am Mindesthaltbarkeitsdatum: )

Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich ihn vermissen werde, aber es ist durchaus angenehm, 300 Meter entfernt von der »größten Lebensmittelauswahl in NRW«, dem Barmer akzenta zu wohnen. Wenn ich meinen Einkaufswagen durch den Laden schiebe, bin ich sogar geneigt, dem Claim zu glauben. Es mag Supermärkte geben, die stückzahlmäßig mehr Zeugs in den Regalen stehen haben, aber in keinem mir bekannten ist das Angebot so weitgefächert. Das Grundsortiment kommt von der Rewe Dortmund, und wird ergänzt durch Produkte aus der Region sowie 1a Spezialitäten von allen möglichen Anbietern, in epischer Breite. Fair gehandelte und Biowaren sind ebenfalls zahlreich vertreten1. Und die hauseigene Metzgerei ist ebenfalls nicht zu verachten.

Relativ klein gehalten ist der Non-Food-Bereich, eher auf den täglichen Bedarf ausgerichtet: Schreibwaren, Zeitschriften, Nähzeug, Kochutensilien, die Richtung. Kleinmöbel oder Unterhaltungselektronik hat man dankenswerterweise nicht im Programm, auch nicht als Aktionsware (wenn man mal vom Tchibo-Shop-in-Shop-Regal absieht).

Entgegen einem in Wuppertal weit verbreiteten Urteil ist das Einkaufen im akzenta nicht unbedingt kostspieliger als bei den großen Discounter-Ketten, denn auch das untere Preissegment ist in voller Breite vertreten – es ist bloß nicht immer ganz leicht aufzufinden, weil es in der Angebotsvielfalt untergeht oder ganz unten im Regal steht. Die Obst- und Gemüseabteilung stellt eine Herausforderung dar – dass alles immer verfügbar ist, also aus energieintensiver Treibhauszucht eingekauft wird, schlägt, wie ich vermute, per Mischkalkulation aufs Preisniveau durch, die Amplitude übers Jahr ist nicht sehr groß, auch zu Haupterntezeiten sinken die Preise nur wenig. Da bevorzuge ich das Angebot auf dem Barmer Wochenmarkt.

Das Stammhaus ist eher organisch in ältere Bausubstanz hineingewachsen, verzweigt sich in allerlei Nebenräume, was nicht eben zur Übersichtlichkeit der Warenpräsentation beiträgt. Immerhin hat man in jüngerer Zeit einige Modernisierungsanstrengungen geleistet, durchaus erfolgreich. Die gewisse Krosigkeit hat aber auch ihren Charme. (Die Ableger in Elberfeld und Vohwinkel haben es in dieser Hinsicht leichter, weil sie in Neubauten residieren.)

Das erfreulichste aber: Das Einkaufen geht selbst im größten Gedränge noch entspannt vonstatten, weil auf den Einsatz von zahlreichem Personal nicht verzichtet wird. Man findet immer einen mehr oder minder kompetenten, auf jeden Fall aber bemühten Ansprechpartner, wenn man mal ratlos im Gang steht. Und auch die Kassen sind stets so zahlreich besetzt, dass Schlangenfrust nicht aufkommt.

(Wer nach akzenta googelt, wird übrigens weitere Märkte gleichen Namens außerhalb von Wuppertal finden, die jedoch bis auf den Namen und die Rewe-Beziehung mit dem Barmer akzenta und seinen genannten Ablegern nichts gemein haben.)

[so ähnlich am 22.10.2006 ins Regal von Qype gestellt]


1 Der (Wuppertaler!) Anbieter der fair gehandelten Waren möchte übrigens nur nach erteilter schriftlicher Genehmigung verlinkt werden. Du meine Güte! Webagenturen und Textbausteine.

Herrenhäuser Gärten

Bald flattert wieder das blaue Band und dann ist auch bereits Sommer. Zur Einstimmung schon mal eine alte Schote:

Ich kenne nur einen Grund, nach Hannover zu fahren (lässt man berufliche Anlässe mal außen vor): die Herrenhäuser Gärten. Der Plural ist bedeutsam – an der Herrenhäuser Straße liegen vier Parks direkt nebeneinander, von denen zumindest drei zu den großartigen Exmplaren ihrer jeweiligen Gattung gehören. Aber das haben andere schon ausführlich beschrieben, weswegen ich hier einfach mal auf den entsprechenden Artikel in der Wikipedia verweise.

Im barocken Großen Garten kannst du locker einen halben Tag verbummeln, sitzend, flanierend, guckend. Im Berggarten stehen Blumen, Büsche, Bäume im Vordergrund. Der Georgengarten beeindruckt den Auswärtigen vor allem mit seiner 2 Kilometer langen, schnurgeraden Allee, während sich auf den Wiesen die Bewohner Hannovers tummeln.

Mach dich vor einem Besuch auf jeden Fall über die tagesaktuelle Öffnungszeit schlau: Bei Veranstaltungen wird der Große Garten gerne mal am frühen Nachmittag geschlossen. (Die auf der Website angegebene Infonummer zu erreichen ist mir allerdings nicht gelungen – dort war zwei Tage lang ununterbrochen besetzt –; zum Glück scheinen die hannoveraner Webseiten gut betreut zu sein und mithin aktuell.)

Restaurationen gibt es jeweils im Großen Garten und im Berggarten – leider waren bei unserem letzten Besuch beide unangekündigt für den normalen Publikumsverkehr geschlossen, wegen Hochzeitsgesellschaften. Liebe Stadtmarketingfritzen: Mit dem gastronomischen Angebot zu werben und dann Gäste aus der Ferne, die diesen Futtertrog fest einkalkuliert haben, einfach so hungern zu lassen, ist äbäh. Vor allem wenn a) im näheren Umkreis sonst nichts ist und selbst wenn b) erneut Eintritt fällig würde. Da uns ähnliches auch schon andernorts passiert ist, sind wir dazu übergegangen, grundsätzlich mit Proviant zu kommen. Das Geld wird dann nicht vor Ort ausgegeben – ihr müsst wissen, ob die Einnahmen durch geschlossene Gesellschaften das ausgleichen.

Lieblingsplätzchen Großer Garten: 3, 6, 7, 22, 14.
Lieblingsplätzchen Berggarten: 3, 6, 10, 11
(alles nach diesem netten Lageplan des Gartens)

[am 9.8.2006 auf Qype beharkt]

Schurenbachhalde

»Die Halde Schurenbach ist eine etwa 45 Meter hohe ehemalige Abraumhalde des Steinkohlebergbaus im Essener Stadtteil Altenessen.« (Wikipedia) Die butenostfriesische Gattin fand den Aufstieg etwas beschwerlich, während ich als bergische Kletterziege keine Auffälligkeiten feststellen konnte. Es geht durch jungen Wald und über grüne Wiesen bergauf, doch kurz vorm Gipfel endet die Idylle abrupt: Die Kuppe der Halde wird nämlich von jedem Bewuchs freigehalten, sodass das schwärzlich schimmernde Bergematerial bloßliegt, eine veritable Mondlandschaft. Auf dem Scheitelpunkt steht ein Stück Konzernzentralenkunst, das aber auch vorzügliche Dienste als Windschutz oder Knutschblende leistet. Und ringsum erstreckt sich das westliche Ruhrgebiet in voller Größe und, naja: Pracht. Ein 360°-Panorama, das von keinem Strauch oder Dach getrübt wird. In den Monaten, die auf R enden, kann man hier ganz vortrefflich die Abenddämmerung beobachten. Schal mitbringen! Und eine Taschenlampe für den Abstieg.

Die Besteigung der Schurenbachhalde lässt sich übrigens vortrefflich mit einem Besuch des benachbarten Nordsternparks verbinden.

[am 23.11.2006 auf Qype abgeladen]

Café Maushagen

Wir (also die Gattin & ich) gehen ja samstagsmorgens ganz gerne zum Schwimmen in die Münstertherme. Um uns anschließend zu stärken, haben wir uns bisher nach links auf die Nordstraße orientiert. Durch einen Beitrag auf Qype neugierig geworden, habe ich uns letztens jedoch derendorfwärts gelotst, schließlich liegt das Café Maushagen nur einen Häuserblock entfernt.

Ich hatte eigentlich erstmal nicht mehr erwartet als interessant gestalte, speichelflussinduzierende Auslagen im Schaufenster. Diese waren dann etwas enttäuschend bereits ganz auf Halloween und Weihnachten getrimmt – dafür machte das Café-Innere einen durchaus einladenden Eindruck. Die Kuchenparade zur Jülicher Straße hin lockte uns dann endgültig hinein.

Die maushagensche Website spricht vom »stilvollen Ambiente« des Cafés, und tatsächlich ist der Raum voller Stile, jede Tischgruppe ist nämlich in einem anderen gehalten. Doch ich will mich mal kurzfassen: Der Kuchen war ganz vorzüglich, der Service etwas verwirrt, das Publikum überraschenderweise in der Mehrzahl unter 40. Und sehr angenehm: Es gab keine willkürliche musikalische Hintergrundbeschallung.

Weswegen ich diesen Beitrag jedoch hauptsächlich schreibe: Der Autor auf Qype erwähnt leider nicht, dass im Café auch ein luxuriöses Angebot an kleinen Süßigkeiten zum Nachhausetragen feilgeboten wird, das zum Beispiel jenes von Leysieffer (in Düsseldorf auf der Kö) locker übertrifft, ohne sich preislich in völlig abgehobenen Regionen zu bewegen.

Wer also einen lieben Menschen (und sei es man selbst) mal mit nichtkonfektioniertem Konfekt beschenken möchte, dem kann ich nur nahelegen, bei Maushagen einen Blick in die Auslagen zu riskieren.

[am 2006-11-03 bei Qype abgefrühstückt]

[Nachtrag: Inzwischen ist das Café nur noch freitags, samstags, sonntags und an Feiertagen geöffnet.]

Münstertherme

Umkleidekabinen in der Münstertherme

Die »klassische« Badeanstalt, also das öffentliche Hallenbad aus der Zeit um 1900, gehört ja inzwischen zu den bedrohten Arten. Diese Volksbäder waren in den schnell wachsenden Industriestädten erbaut worden, um der Arbeiterschaft eine Möglichkeit zur billigen regelmäßigen Körperpflege zu bieten. Ihr Niedergang begann, als das Badezimmer zur Standardausrüstung von Mietwohnungen wurde – zuerst wurden die Wannenbadabteilungen zugemacht. Mit weiter sinkenden Besucherzahlen und angesichts dringend notwendiger Investitonen in die alte Substanz schlossen die Städte immer mehr der relativ kleinen und somit teuren, zudem als unattraktiv angesehenen Bäder, oftmals zugunsten von weit außerhalb bewohnter Gebiete liegenden Freizeitbädern. So sind heute in NRW meines Wissens nur noch vier dieser inzwischen als historisch zu bezeichende Hallenbäder in Betrieb und der Allgemeinheit zugänglich; der Rest der architektonisch, stadt- und kulturgeschichtlich wertvollen Bauten wurde abgerissen, umgenutzt (z.B. als Altenheim, Kneipe, Musuem für Binnenschifffahrt) oder steht leer.

Doch nicht jeder will Spaß auf der Rutsche und dafür noch in die Außenbezirke der Stadt gondeln. Und so entschloss sich die Stadt Düsseldorf das Münsterbad von 1902 im lebendigen Stadtteil Pempelfort zu erhalten und grundlegend zu renovieren. Heute wuchert das in Münster-Therme umbenannte Bad mit seinem nostalgischen Pfund, der in ihrer Ausstattung weitgehend original erhaltenen Schwimmhalle. Die Technik wurde komplett erneuert, das Interieur dezent ergänzt – beides für mein Laienauge in einigermaßen hochwertiger Ausführung: Der Duschbereich könnte auch als Showroom für einen Badausstatter fungieren, die hölzernen Umkleidekabinen haben abschließbare Schränke erhalten, Textilem wurde der Vorzug vor Plastik gegeben, im Schwimmbecken reizt kein Chlor mehr zu Tränen, keine Leuchtstoffröhre blendet das Auge – überhaupt hat man sich beim Licht Mühe gegeben –, hölzerne Liegen laden zum Pausieren ein.

Auch das Wannenbad hat seine zeit(geist)gemäße Aktualisierung erfahren: Ergänzt wird die Schwimmhalle durch eine Sauna sowie ein Freiluft-Thermalsole-Becken samt kleiner Liegefläche. (Beides haben wir aber noch nicht getestet, also bleibt es hier unkommentiert …)

Die Öffnungszeiten sind recht großzügig bemessen, After-Work-Brustschwimming kann man entspannt angehen. Umso erfreulicher, dass dieses Vergnügen weiterhin zu volkstümlichen Preisen zu genießen ist – es gilt derselbe sozialverträgliche Tarif wie in allen anderen städtischen Düsseldorfer Bädern, lediglich für das Solebecken ist ein Zuschlag erforderlich. Entsprechend gemischt ist insgesamt das Publikum.

Wenn du dir also mal beim Schwimmen die Augen nicht an Beton stoßen möchtest: Geh in die Münster-Therme. Und wenn dich nach dem Schwimmen die Kräfte zu verlassen drohen: In der nächsten Umgebung des Bades gibt es reichlich zu Essen und Trinken, das fängt schon schräg gegenüber an.

[2006-11-03 auf Qype zu Wasser gelassen. Öffnungszeiten &c. bei der Bädergesellschaft Düsseldorf.]