Café Maushagen

Wir (also die Gattin & ich) gehen ja samstagsmorgens ganz gerne zum Schwimmen in die Münstertherme. Um uns anschließend zu stärken, haben wir uns bisher nach links auf die Nordstraße orientiert. Durch einen Beitrag auf Qype neugierig geworden, habe ich uns letztens jedoch derendorfwärts gelotst, schließlich liegt das Café Maushagen nur einen Häuserblock entfernt.

Ich hatte eigentlich erstmal nicht mehr erwartet als interessant gestalte, speichelflussinduzierende Auslagen im Schaufenster. Diese waren dann etwas enttäuschend bereits ganz auf Halloween und Weihnachten getrimmt – dafür machte das Café-Innere einen durchaus einladenden Eindruck. Die Kuchenparade zur Jülicher Straße hin lockte uns dann endgültig hinein.

Die maushagensche Website spricht vom »stilvollen Ambiente« des Cafés, und tatsächlich ist der Raum voller Stile, jede Tischgruppe ist nämlich in einem anderen gehalten. Doch ich will mich mal kurzfassen: Der Kuchen war ganz vorzüglich, der Service etwas verwirrt, das Publikum überraschenderweise in der Mehrzahl unter 40. Und sehr angenehm: Es gab keine willkürliche musikalische Hintergrundbeschallung.

Weswegen ich diesen Beitrag jedoch hauptsächlich schreibe: Der Autor auf Qype erwähnt leider nicht, dass im Café auch ein luxuriöses Angebot an kleinen Süßigkeiten zum Nachhausetragen feilgeboten wird, das zum Beispiel jenes von Leysieffer (in Düsseldorf auf der Kö) locker übertrifft, ohne sich preislich in völlig abgehobenen Regionen zu bewegen.

Wer also einen lieben Menschen (und sei es man selbst) mal mit nichtkonfektioniertem Konfekt beschenken möchte, dem kann ich nur nahelegen, bei Maushagen einen Blick in die Auslagen zu riskieren.

[am 2006-11-03 bei Qype abgefrühstückt]

[Nachtrag: Inzwischen ist das Café nur noch freitags, samstags, sonntags und an Feiertagen geöffnet.]

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Münstertherme

Umkleidekabinen in der Münstertherme

Die »klassische« Badeanstalt, also das öffentliche Hallenbad aus der Zeit um 1900, gehört ja inzwischen zu den bedrohten Arten. Diese Volksbäder waren in den schnell wachsenden Industriestädten erbaut worden, um der Arbeiterschaft eine Möglichkeit zur billigen regelmäßigen Körperpflege zu bieten. Ihr Niedergang begann, als das Badezimmer zur Standardausrüstung von Mietwohnungen wurde – zuerst wurden die Wannenbadabteilungen zugemacht. Mit weiter sinkenden Besucherzahlen und angesichts dringend notwendiger Investitonen in die alte Substanz schlossen die Städte immer mehr der relativ kleinen und somit teuren, zudem als unattraktiv angesehenen Bäder, oftmals zugunsten von weit außerhalb bewohnter Gebiete liegenden Freizeitbädern. So sind heute in NRW meines Wissens nur noch vier dieser inzwischen als historisch zu bezeichende Hallenbäder in Betrieb und der Allgemeinheit zugänglich; der Rest der architektonisch, stadt- und kulturgeschichtlich wertvollen Bauten wurde abgerissen, umgenutzt (z.B. als Altenheim, Kneipe, Musuem für Binnenschifffahrt) oder steht leer.

Doch nicht jeder will Spaß auf der Rutsche und dafür noch in die Außenbezirke der Stadt gondeln. Und so entschloss sich die Stadt Düsseldorf das Münsterbad von 1902 im lebendigen Stadtteil Pempelfort zu erhalten und grundlegend zu renovieren. Heute wuchert das in Münster-Therme umbenannte Bad mit seinem nostalgischen Pfund, der in ihrer Ausstattung weitgehend original erhaltenen Schwimmhalle. Die Technik wurde komplett erneuert, das Interieur dezent ergänzt – beides für mein Laienauge in einigermaßen hochwertiger Ausführung: Der Duschbereich könnte auch als Showroom für einen Badausstatter fungieren, die hölzernen Umkleidekabinen haben abschließbare Schränke erhalten, Textilem wurde der Vorzug vor Plastik gegeben, im Schwimmbecken reizt kein Chlor mehr zu Tränen, keine Leuchtstoffröhre blendet das Auge – überhaupt hat man sich beim Licht Mühe gegeben –, hölzerne Liegen laden zum Pausieren ein.

Auch das Wannenbad hat seine zeit(geist)gemäße Aktualisierung erfahren: Ergänzt wird die Schwimmhalle durch eine Sauna sowie ein Freiluft-Thermalsole-Becken samt kleiner Liegefläche. (Beides haben wir aber noch nicht getestet, also bleibt es hier unkommentiert …)

Die Öffnungszeiten sind recht großzügig bemessen, After-Work-Brustschwimming kann man entspannt angehen. Umso erfreulicher, dass dieses Vergnügen weiterhin zu volkstümlichen Preisen zu genießen ist – es gilt derselbe sozialverträgliche Tarif wie in allen anderen städtischen Düsseldorfer Bädern, lediglich für das Solebecken ist ein Zuschlag erforderlich. Entsprechend gemischt ist insgesamt das Publikum.

Wenn du dir also mal beim Schwimmen die Augen nicht an Beton stoßen möchtest: Geh in die Münster-Therme. Und wenn dich nach dem Schwimmen die Kräfte zu verlassen drohen: In der nächsten Umgebung des Bades gibt es reichlich zu Essen und Trinken, das fängt schon schräg gegenüber an.

[2006-11-03 auf Qype zu Wasser gelassen. Öffnungszeiten &c. bei der Bädergesellschaft Düsseldorf.]

Bücherbummel auf der Kö

In den letzten Jahren muss man die Bücher auf dieser Veranstaltung zunehmend suchen: Erstens werden die Fress- und Saufstände immer zahlreicher, und zweitens wird die Veranstaltung durch etliche Image-Stände von NGOs, gemeinnützigen Lobbyisten und Missionaren aller Couleur aufgeweicht, wie sie ansonsten samstags in den Fußgängerzonen deutscher Großstädte zu finden sind. Beliebiges Kunstgewerbe breitet sich auch weiter aus (was bitte hat ein Stand mit, wenn auch noch so abseitigen, Musikinstrumenten auf einem Bücherbummel zu suchen?).

Und was das Thema der Veranstaltung angeht: In erster Linie zeigen dort die Sortimenter aus Düsseldorf und Umland Präsenz, treiben Selbstdarstellung. Und bringen vielleicht noch ein paar Plastikwannen Ramsch, äh: Remittenden mit, oder Modernes Antiquariat von den üblichen Verdächtigen. Also das, was man sonst draußen vorm Laden oder direkt hinter der Tür stehen hat – die Sorte immer gleicher »Schnäppchen«, die man jederzeit und überall machen kann und für die man sich nicht auf einer überfüllten Veranstaltung herumschubsen lassen muss. Die echten Antiquariate, vornehmlich auch aus dem Düsseldorfer Umland, sind inzwischen stark in der Unterzahl.

Insgesamt hat man als Besucher das Gefühl, auf dem Bücherbummel einer PR-Aktion zur Gewinnung von Neukunden beiwohnen zu dürfen.

Für Leute, die sich potentiell an Büchern ruinieren, ist die Büchermeile auf der Rheinpromenade die interessantere Veranstaltung: Dort bauen Antiquare aus der ganzen Republik zwischen Hafenbecken und Burgplatz ihre Stände auf, mit richtig breitem Angebot. Im Jahre 2007 am 12. und 13. Mai.

[am 14.3.2007 bei Qype unters Volk gebracht]