S-Bahnhof Poppenbüttel

Muss ich gesondert erwähnen, dass der Verkehr hier mit Triebwagen durchgeführt wird?

Po’mb’ll

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Glühwein trinken und rumfahren

Wenn schon an den Adventssamstagen in die Stadt, dann nur so: 1. Klasse mit dem ET 171 082 der Historischen S-Bahn Hamburg. Zum normalen HVV-Tarif. Alle Jahre wieder, im Zwei-Stunden-Takt, heuer nochmal am 17. Schön auch die verdutzten Gesichter der Gelegenheitsfahrgäste, wenn sie vom Bordpersonal an den Bahnsteigen förmlich hineingekobert werden müssen: »Nein, kost‘ nich‘ extra!« Ach, die Freude, etwas geschenkt zu bekommen! Nicht minder bei den Kurzen, wenn ihnen der Weihnachtsmann – mit deutlich süddeutschem Akzent – ein Stück Schokolade aus dem Sack kramt. Da blitzen die Knipsen der Buggyschieber.

Und noch mal ganz sachlich: Vielen Dank allen Aktiven!

Abgefahren (Anschluss)

Vergangenen Dienstag habe ich der Bahn das verlangte zweite Passfoto geschickt (Einsendeschluss wäre der 9.3. gewesen). Am gestrigen Samstag lag dann ein – diesmal an mich adressierter – Umschlag von der DB Fernverkehr AG im Briefkasten. Kurzes Befingern – ja, da ist eine Plastikkarte drin. Das ging aber fix.

In der Wohnung aufgemacht, und tatsächlich ein Schrieb drin, auf dem eine BahnCard klebt, mit meinem Namen. Aber ohne mein Konterfei. »Sehr geehrter BahnCard-Kunde, heute erhalten Sie Ihre neue BahnCard 50*«, und unten am Blattrand dann die Fußnote in 5 Punkt: »Leider liegt uns kein Foto von Ihnen vor: Daher haben wir Ihre BahnCard 50 ohne Bild ausgestellt. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass Sie sich bei einer Fahrkartenkontrolle zusätzlich mit einem Lchtbildausweis (z.B. Personalausweis) ausweisen müssen.« Wie es um mein Verständnis bestellt ist, kann man sich denken.

Ansonsten ist der Brief mit drei Absätzen Marketing-Blabla befüllt. Am besten der letzte: »Sie haben Familie? Dann profitieren Sie noch stärker von Ihrer BahnCard 50. Denn Ihr Lebens- oder Ehepartner erhält eine eigene BahnCard 50 zum halben Preis«. Also mal davon abgesehen, dass man es mit der direkten Ansprache auch übertreiben kann und die letzten beiden Sätze einfach sprachlich und inhaltlich falsch sind, weil ja nur eine Möglichkeit angepriesen wird, wäre da noch folgendes zu tadeln: »Streuverlust bezeichnet Adressaten, die durch belegte Werbeträger zwar mit einer Werbekampagne erreicht werden, die aber nicht zur definierten Zielgruppe gehören. Dies stellt eine kostenträchtige Fehlstreuung dar und ist zu vermeiden.« Soll sich die Gattin jetzt noch eine BahnCard kaufen, mit nochmals 50% Rabatt (was dann in summa 75% wären)? Kann sie die andere dann zurückgeben und wird ihr der Kaufpreis erstattet? Oder haltet ihr mich für einen Polygamisten? Oder ist bloß eure Kundendatenbank lausig gepflegt? Von den zwei verschleuderten Passfotos plus Briefmarke und Umschlag ganz zu schweigen.

***

Bei der Behördenbahn war das früher™ so, wenn ich mir eine Monatsnetzkarte oder ein Trampermonatsticket gekauft habe: Da hat der Schalterbeamte mein Passfoto auf der Pappe festgetackert, einen Stempel draufgesetzt, mir den Kuli zum Unterschreiben rübergereicht – und fertig war der Fahrausweis. Aber den sollte man ja auch nicht in irgendwelche Automaten schieben, um damit Punkte zu sammeln, die man gegen Glasperlen eintauschen kann, und um Datenhalden zu produzieren, die vielleicht ausgewertet, aber dann vom Betrieb ignoriert werden (ich sach nur: einteiliger ICE3 freitagsnachmittags von Nürnberg nach Rhein-Ruhr, mit Stehplatzgarantie).

Abgefahren

Eigentlich ist es schon wurscht, ob Steinbrück, Tiefensee, Mehdorn und Konsorten der Coup (= Staats- und Halunkenstreich) gelingt, die DB unter der Hand zu verticken. Denn mit Deklamation der Kapitalmarktreife war die Zerstörung des Verkehrssystems Bahn bereits abgeschlossen. Zu retten ist da nicht mehr viel.

Meine Liebe zum Bahnfahren ist in den letzten Jahren peu à peu verloschen. Umso grotesker ist es, dass ich neuerdings eine Bahncard besitze, zumindest eine vorläufige. Bei der Gattin war die Anschaffung unvermeidlich, um die Kosten für die Pendelei zwischen Wuppertal und Nürnberg zu drücken. Für Ehepartner bietet die »DB Bahn« (wie die Veranstaltung seit neustem heißt) eine Bahncard 50 zum halben Preis an. Und auch für Lebensgefährten mit gleichem Wohnsitz (wohl um nicht in den Ruch zu kommen, man würde gleichgeschlechtliche Paare benachteiligen).

InterCityExpress-Modell von Trix

Also haben wir uns gezückten Persos fröhlich in die zehn Figuren lange Schlange eingereiht, die sich durch die Fahrkartenausgabe im Wuppertaler Hauptbahnhof zog. Keine zwanzig Minuten später (bei vier geöffneten Schaltern) konnten wir unser Anliegen einem Trainee vortragen. Da bahn.de mit Informationen geizt, erst mal ein paar Fragen gestellt und ein paar auch nur gemutmaßte Antworten bekommen, welche aus dem Hintergrund von der Betreuerin des Anzulernenden mit abgeklärtem Nicken bestätigt wurden: (a) Nein, man muss nicht immer gemeinsam unterwegs sein, (b) ja, die Partnerkarte läuft mit der Hauptkarte ab und (c) nein, der Wohnsitz muss nur beim Kauf der BahnCard identisch sein. Gut, wollen wir haben. Der junge Mann kramt ein Leporello von Formular hervor, trägt in seiner Panik beim Geburtsdatum das Verfallsdatum meines Personalausweises ein (»18.5.15«, die 19 beim Jahr ergänzt er flüssig – scheint der Klassiker zu sein: Ich hatte auch mal einen DJV-Ausweis, auf dem ich gerade mal 4 war, weil der Zivi am Empfang der Leipziger Jugendherberge im Jahre 1991 das Ablaufdatum beim Geburtstag eintrug … (richtig gelesen, mein Ausweis war seit vier Jahren abgelaufen)), korrigiert den Fehler auf meinen Protest hin (»Ich seh zwar alt aus, aber …«), krakelt noch Mehreres und klebt dann mein rübergereichtes Konterfei (entstammt noch der Fotosession für den Perso) an den unteren Blattrand. Unsere Adressen zu überprüfen vergisst er natürlich. Ich ahne nichts Gutes. Und prompt liegt am vergangenen Wochenende ein an die Gattin gerichteter Schrieb vom »BahnCard-Service« der »DB Fernverkehr AG« im Kasten, mit dem für die »BahnCard Partnerkarte« ein Foto von meiner einer eingefordert wird. Verschlonzt, nicht mal der Kleber taugt noch was bei der Bahn. Zum Glück gilt die vorläufige BahnCard noch bis irgendwann im April, in allen verspäteten Plastikzügen.

* * *

Und für alle, die mir bis hierhin gefolgt sind, als kleines Dankeschön für die Aufmerksamkeit abschließend noch ein Tip: Nehmt in Zukunft das Hafas der Ösis, will sagen die Fahrplanauskunft der Österreichischen Bundesbahn, wenn ihr nur eine Verbindung sucht. Hat dasselbe Datenbankbackend wie bei der DB – also auch alle innerdeutschen Züge und Busse vorrätig –, während die Benutzeroberfläche mit ein paar hübschen Features daherkommt, die es bei die Bahn so nicht gibt: Zum Beispiel kann man sich ohne wildes »früher«- und »später«-Geklicke erste und letzte Verbindung eines Tages auswerfen lassen, oder schicke PDFs für eine Relation. Und anders als ihr deutsches Pendant ziert sie sich nicht lange, sondern rückt umgehend mit den Ergebnissen heraus.

***

[Nachtrag: Es geht geht noch weiter …]

Roermond

Damit nun keiner glaubt, ich sei schreibfaul, im Folgenden der Abwechslung halber ein Auszug aus dem ignoranten Reisetagebuch, das eigentlich bei blogger.com rumliegt (und nur zwei Lese- und Schreibberechtigte hat – fragt also erst gar nicht nach der Adresse …). Die Karte zum Thema gibt’s nur als Link, da wordpress.com trotz Flehen der Nutzer den Einbau von Google-Maps-Iframes nicht erlaubt. (Der Umzug mit dem ursprünglich auf WordPress beheimateten Reisetagebuch nach Blogger war übrigens eine aufregende Angelegenheit, die ich vielleicht zur allgemeinen Belehrung ein ander mal beschreiben werde …)

Heute soll’s nach Roermond gehen, zum ominösen Designer Outlet, und auch der Stadt halber. Zudem ist schönstes Herbstwetter vorhergesagt, Wärme und Sonne.

Die Fahrkarten hatte ich bereits gestern in Oberbarmen gekauft. Vom Ablauf her wäre die einfachste Methode gewesen: Per Ticket 2000 bis nach Kaldenkirchen und weiter nach Venlo mit vorab entwertetem Zusatzticket, dort nochmal Geld in einen Automaten werfen und die Karten nach Roermond ziehen; auf dem Rückweg das Spiel nochmal: In Roermond Karten für die Strecke nach Venlo holen, dort Zusatzticket entwerten, für den Abschnitt bis Kaldenkirchen, von da per Ticket 2000 weiter.

Korrektur nach nochmaliger Recherche: Ich hätte in Venlo auch gleich eine Rückfahrkarte besorgen können.

Allerdings hat das Verfahren einen Nachteil: In Venlo beträgt die Übergangszeit bei beiden Fahrtrichtungen nur etwas mehr als 5 Minuten. Das reicht angesichts der (buchstäblich) weitläufigen Bahnsteiganlage nicht aus, um Karten zu holen, bzw. zu entwerten. Man müsste also hinzu ab Venlo einen Zug später, auf dem Rückweg ab Roermond einen Zug früher fahren, um Zeit für die Fahrkartenaktionen zu haben. Beim Halbstundentakt auf der Maastalstrecke würde sich also die Fahrzeit Barmen – Roermond je Richtung von zwei auf zweieinhalb Stunden verlängern. Mit Plan B lassen sich die unnötige Warterei in Venlo und das potentielle Scheitern an unvertrauten Automaten vermeiden: Er besteht darin, im Voraus internationale Fahrkarten nach TCV-Tarif von Kaldenkirchen nach Roermond zu kaufen (das »Reststück« Barmen – Kaldenkirchen wird natürlich weiterhin mit Ticket 2000 zurückgelegt). Diese Methode ist erstmal für den an Automatenkartenstückelei gewohnten »Kunden« ungewöhnlich, hat aber den Vorteil, dass man sich nach Antritt der Reise um nichts mehr kümmern muss – zudem ist der Fahrpreis niedriger ist als bei Stückelung

Nochmalige Korrektur: Wenn man sich in Venlo gleich eine verbilligte Rückfahrkarte orgelt, ist der Preisvorteil wieder perdü.

und die Karte obendrein zwei Monate lang gültig, auch zum Fahrtantritt (womit sie nicht direkt ins Altpapier muss, wenn man sich spontan entscheidet, die Exkursion zu verschieben, weil zum Beispiel die Wetterfrösche verwirrt waren);

Die Buschtrommeln besagen, dass es ab dem 1. April 2008 mit den 2 Monaten vorbei ist und die Gültigkeitsdauer auf 1 Tag reduziert wird. Damit will man bei der Bahn wohl der mißbräuchlichen Mehrfachnutzung der Fahrkarten einen Riegel vorschieben. Auch unsere Karten wurde dank fehlender Zugbegleiter nicht geknipst. Natürlich sind sie noch am gleichen Tag ins private Fahrkartenmuseum gewandert, doch dass die Möglichkeit bestanden hätte, nochmal damit zu fahren, ist uns im Nachhinein auch aufgefallen.

sie hat aber auch den Nachteil, dass besagte Fahrkarte nur an von Menschenhand bedienten Vorverkaufsstellen erhältlich ist. Reisebüros kommen als solche nicht infrage, da deren Verkaufsgebühren den (zugegebenermaßen minimalen) finanziellen Vorteil hinfällig lassen würden; bleiben also die Verkaufsstellen der DB, von denen es in Wuppertal bekanntermaßen nur noch zwei gibt: Im Hbf und in Oberbarmen (letztere ist zwar auch nur eine DB-Agentur, aber immerhin wird dort der Verkauf nicht mit Gebühren belastet). Extra vom Loh dorthinzufahren, kostet natürlich auch wieder Zeit und eventuell Geld für VRR-Tickets – doch wollte es der Zufall, dass wir am Vortag sowieso nach Wupperfeld mussten, und so habe ich die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und noch einen kleinen Schlenker zum Oberbarmer Bahnhof eingelegt, um die Fahrkarten zu holen.

Die (ausgesprochen nette) Verkäuferin dort hat sich zuerst auch über mein Anliegen gewundert, war dann aber schnell von der Sinnfälligkeit meines Kartenwunsches überzeugt (wenn man mal von ihrer Bemerkung absieht, dass sie auch schonmal in Roermond gewesen sei, allerdings mit dem Auto). Gekostet hat mich der Spaß dann für zwei Personen hin und retour EUR 24,40.

Mit der Stückelvariante wäre ich bei 25,20 gelandet, unter Berücksichtigung des niederländischen Rückfahrkartenrabatts bei 23,– Euro.

Als frischem Bahncard-50-mit-Rail-plus-Besitzer (Rail+ ist neuerdings im Preis automatisch enthalten) fällt mir gerade auf, dass die Auslandsfahrscheinvariante noch einen Vorteil gegenüber der Stückelei hat: Man bekommt mit Rail+ auch auf dem niederländischen Streckenabschnitt die Fahrkarte mit Rabatt und müsste statt aktuell 6,30 nur 4,45 hinlegen.

Ursprünglich hatte ich ja belustigungshalber erwogen, zumindest auf dem Hinweg die kilometermäßig kürzeste Route über Niederkrüchten einzuschlagen, also ab MG Hbf den SB83 bis Elmpt Grenze zu nehmen, um von dort mit dem Bus der Firma Hermes nach Roermond weiterzufahren. Allerdings hatte ich da meine Rechnung ohne die konservative niederländische Regierung gemacht. Als ich bei Hafas diese Verbindung nachgeschlagen hatte (also mit Via-Angabe »Niederkrüchten«), ging die Fahrtroute nämlich nach kurzem Aufenthalt dortselbst zurück nach M’Gladbach und weiter per Zug via Venlo. Sowas wollte ich ja nun gar nicht. Zuerst hatte ich an einen Bug von Hafas geglaubt, aber auch die VRR-Site mochte von einem Halt »Elmpt Grenze« nichts mehr wissen. Ihr zufolge verendete der SB an der Haltestelle »Elmpt, Deutsches Zollamt«. Dankeschön, das hatten wir doch vor Jahren schonmal. Kurzes Googlen förderte dann folgende Pressemitteilung zu Tage:

Seit dem 05.03.2007 verkehrt die Schnellbus-Linie SB83 der Niederrheinischen Versorgung und Verkehr AG (NVV) von Mönchengladbach nurmehr bis Niederkrüchten-Elmpt Deutsches Zollamt statt bis Elmpt Grenze. Die Verlängerung bis zur deutsch-niederländischen Staatsgrenze war in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre eingeführt worden, um einen Anschluss an die niederländische Linie 15 nach Roermond herzustellen. Nachdem auf niederländischer Seite zum 10.12.2006 ein neues Liniennetz eingerichtet wurde, besteht von Roermond aus keine Verbindung mehr bis Elmpt Grenze, so dass die Linie SB83 mangels Anschlussbeziehung künftig wieder am Deutschen Zollamt enden wird.

(Quelle: http://www.niederrheinbus.de)

Nadanke. Ich will mich gar nicht darüber auslassen, dass es anscheinend von niederländischer Seite niemand für nötig gehalten hat, den deutschen »Partner« über diese Veränderungen zu informieren, und die deutsche Seite zudem 3 Monate gebraucht hat, um darauf zu reagieren – und solange fröhlich Diesel für nutzlose Fahrerei verbrannt hat. Dass man zur Abstimmung über Verkehrsprojekte sehr wohl in der Lage ist, zeigt folgende Passage aus der Wikipedia:

Netzschluss bei Roermond

Die Regierungen des Königreiches der Niederlande und der Bundesrepublik Deutschland haben sich in einem Staatsvertrag verpflichtet ihre Autobahnnetze weiter zu verknüpfen. Auf niederländischer Seite verpflichtete man sich den Rijksweg A 73 (Maastaal-Snelweg) bis nach Roermond zu verlängern, im Gegenzug verlängert die Bundesrepublik die A 52 bis an die gemeinsame Grenze. Der Anschluss der A 52 an den RW A 73 wird über die Provinzstraße N280 (vergleichbar mit einer Kraftfahrstraße) erfolgen. Das Projekt wird durch die EU gefördert, da hier die Transeuropäischen Netze verbessert werden.

Am 12. Februar 2007 erließ der Landesbetrieb Straßen.NRW [Örks, was für ein Name. Ignorante Anmerkung] den Planfeststellungsbeschluss zur Verlängerung der A 52. Die Gesamtkosten werden auf ca. 27,7 Millionen Euro geschätzt. Im Sommer 2007 begannen die Bauarbeiten.

Klar, für die Zerstörung des Naturparks Schwalm-Maas-Nette kann man Millionen verballern, aber für die Verlängerung einer deutschen Schnellbuslinie ist kein Geld da (geschweige denn Hirnschmalz). Wenn man dann noch das Hickhack in Sachen Eiserner Rhein hinzunimmt … Ach, lassen wir das.

Einer Alternative zur Fahrt über Venlo beraubt steigen wir also, nachdem ich im Bahnhofskiosk noch die FR und ein Fläschchen Cola erworben habe, um 9:22h in Barmen in den RE13, der wie erwartet mit ein paar Minuten Verspätung einrollt. Ebenso erwartet ist der Zug ziemlich gut gefüllt. Wir steigen in den ersten Wagen, einen Rotling mit blinden Scheiben; ziehen bei einem älteren Mann ein, der immer wieder einschläft und ab und zu alkoholgeschwängerten Unsinn von sich gibt. In Düsseldorf steigt er aus, sein Platz wird von einer älteren rappeldürren, andersbegabten Frau eingenommen, die uns im Verlaufe der Fahrt noch mehrmals mit krähender Stimme fragt, ob der Zug denn durchfahre. Ich bejahe das ebenfalls mehrmals, ohne zu wissen, wohin er eigentlich durchfahren soll. Irgendwo vor Neuss klinken wir uns dann mit Kopfhörerhilfe aus dem Geschehen aus. In Kaldenkirchen steigt sie zusammen mit den Kiffern aus. Wir fahren durch, ins Maastal hinunter.

Nach dem Aussteigen trete ich der Gattin in die Hacken und schiebe ihr dafür die Schuld in die Schuhe, behaupte einfach mal, sie sei unmotiviert stehengeblieben. Schönster Anlass, uns noch eine Weile zu bekabbeln. Der Zug nach Roermond soll zwar am selben Bahnsteig abfahren, aber laufen müssen wir trotzdem ein ganzes Stück (weitläufig, schrieb ich doch), denn der RE hält ziemlich weit draußen am langen Bahnsteig.

Pünktlich rollt eine Triebwagengarnitur am Bahnsteig ein – die Baureihe bin ich noch nicht gefahren. Innen ist es heiß und stickig, trotz offener Schiebefenster; es ist nicht klar, ob die Hitze von einer kaputten Heizung oder vom Motor unterm Fahrgastraum herrührt. Die Sitze sind zwar relativ neu, neuer jedenfalls als die Karosserien, aber die Bezüge sind zum Teil ziemlich abgeschabt. Überhaupt starrt das Teil vor Dreck: Die Scheiben sind so trüb wie bei Kölner Rotlingen, überall liegt Abfall, auf der Heizungsabdeckung neben unseren Sitzplätzen prangt eine mumifizierte Apfelkitsche. Die Motoren dröhnen den Fahrgastraum zu. Tagtäglich zur Arbeit pendeln möchte ich mit diesen Kisten nicht.

So geht es anscheinend vielen Fahrgästen der Linie, wenn man den Berichten, die sich im Internet so finden, trauen darf: Es nicht so, dass Roermond nur ein neues Busliniennetz bekommen hätte – der ganze ÖPNV im Maastal zwischen Roermond und Nijmegen ist an Veolia (neuer Name von Connex) gegangen. Dieses Unternehmen betreibt seit Ende letzten Jahres nicht nur Buslinien und Anrufsammeltaxen, sondern auch die Maastallinie. Und seitdem zeigt sich das ganze Elend der Privatisierungen, mit Symptomen wie sie auch aus Deutschland bekannt sind: Es funktioniert nämlich nichts mehr so richtig. Fahrgäste klagen über andauernde Verspätungen, Pendler nehmen seitdem lieber einen Zug früher, oder noch besser zwei. Die Züge sind im Berufs- und Schülerverkehr überfüllt, das Wagenmaterial ist eine Zumutung, verdreckt, vernachlässigt (so vernachlässigt, dass die Wagen mit laufenden Motoren abgestellt werden müssen, weil sonst Gefahr besteht, dass sie am Morgen nicht mehr anspringen), Zugbegleiter werden auch nicht mehr eingesetzt – mit den üblichen Folgen.

Die NS fuhren die Linie zuletzt mit ziemlich neuen, geräumigen Tw der Baureihe DM90 aus Aachener Produktion. Veolia hat die Ausschreibung mit GTw von Stadler gewonnen, die bei Betriebsaufnahme aber noch nicht verfügbar waren. Also musste für die Übergangszeit Ersatz angemietet werden, man hat sich bereits ausgemusterte Tw aus Friesland besorgt und wieder in Betrieb genommen: »Wattenläufer«, enge Verwandte unserer 627er und 628er, gebaut in Uerdingen, wie die Fabrikschilder ausweisen. Ähnliches hat man hierzulande nach Betreiberwechseln auch erfahren dürfen, bei DME, PEG, Abellio. Das wird dann gerne mal als »Anlaufschwierigkeiten« und »Kinderkrankheiten« verniedlicht, der volkswirtschaftliche Schaden dürfte immens sein – was aber Konzessionsnehmer wie Auftragsvergeber kaum stört, ihnen höchstens Krokodilstränen entlockt, sie Zerknirschtheit simulieren lässt.

Die neuen Fahrzeuge sind inzwischen in Betrieb genommen worden. Anfang März 2008 wird nur noch ein Zugpaar im Berufsverkehr mit dem alten Material gefahren.

Als es noch um Regionalisierung ging, und nicht um Privatisierung, als noch örtliche Verkehrsunternehmen mit direktem verkehrspolitischem Interesse (Rurtalbahn, mit Einschränkungen auch die Regiobahn) und nicht nur am Profit interessierte Mischkonzerne oder sinnfrei expansionswütige Stadtwerke Strecken fernab der Heimat von der DB übernahmen, da war die ganze Betreiberwechselei noch zweckmäßig, ein Gewinn für Fahrgäste und Umwelt. Seitdem das alles nur noch unter dem Liberalisierungsfähnchen segelt und die Betriebswirte das Zepter übernommen haben, führt die ganze Privatisierei fast nur noch zu Verheerungen, dilettantischem Gewusel.

Während wir also unserem Ziel entgegenschwitzen, erkläre ich der Gattin, dass Roermond soviel wie Rurmünde heißt, weil dort die Rur (die sie aus Heimbach kennt) in die Maas mündet. Leider ist das Quatsch, wie mir die Wikipedia erzählt, denn das »mond« komme von »mons«; Roermond ist also ein Hügel an der Rur, zur Namensentstehungszeit war die Maas noch Kilometerweit vom Ort entfernt.

Der Zug ist so lala gefüllt, wobei in Venlo erstaunlich wenige (oder angesichts der oben geschilderten Verrenkungen auch wieder nicht) Leute aus dem prallvollen RE mit uns gewechselt sind. Pünktlich um halb zwölf (huch?!) sind wir in Roermond, orientieren uns nach dem Aussteigen auf dem gleichfalls sehr langen Bahnsteig. (Lange Bahnsteige sind für das Netz der NS durchaus typisch, man lässt hier Züge seit jeher gerne hintereinander halten; die Stationen sind anders als in Deutschland nicht so sehr in die Breite entwickelt, es gibt nicht wie bei uns jede Menge Bahnsteige nebeneinander – Bahnsteignummern mit a/b-Unterteilung sind eher Regel als Ausnahme.)

Der Bahnhofsvorplatz ist ganz proper gestaltet, die Busse haben ihren zentralen Halt auf einem seitab gelegenen Hof. Wir warten in einem Menschenpulk an der Ampel darauf, die breite Hauptstraße überqueren zu können. Auf den Terrassen an der Freifläche gegenüber sind die Plätze an der Sonne bereits gefüllt – wir aber lenken unsere Schritte links daran vorbei, in Richtung Fußgängerzone, die hier bahnhofsnah beginnt. Die Stadt ist hell ausgeleuchtet, frühherbstlich klar, Braun- und Blautöne bestimmen das Bild, die Sonne steht tief; wir bereuen kurz, unsere Schirmkappen nicht mitgenommen zu haben. Ziellos biegen wir mal links, mal rechts ab. An manches erinnere ich mich deutlich, an vieles vage, aber an noch viel mehr überhaupt nicht – was mich ein wenig erschreckt. Vor allem die Struktur der Stadt, ihre Gliederung ist mir völlig rätselhaft, und so laufen wir prompt einmal im Kreis, ich habe die Orientierung verloren. Über den Münsterplatz weht fallendes Herbstlaub, im Gärtchen neben der Kirche liegt ein schwarzer Push-up-BH. Es sind eine Menge Menschen unterwegs, vor den Cafés und Bäckereien wird eifrig gemümmelt.

Mit Ach und Krach finde ich den Weg in das, was ich an dieser Stelle Unterstadt nennen möchte: die tiefer gelegenen Straßenzüge zur Rur hin. Ich hatte weitaus weniger Geschäfte in Erinnerung, vor allem weniger Kunsthandwerk und Bekleidung. Auch waren sie in meiner Erinnerung verfallener, heruntergekommener. Doch dazu später noch mehr. Jedenfalls laufen wir die halbe Zeit mit Kopf im Nacken herum, angetan von den vielen sehenswerten Häuserfronten, die fast durchweg frisch herausgeputzt sind. Es fällt mal wieder auf, dass der Niederländer nicht prinzipiell das Erdgeschoss bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet, wenn im Haus ein Geschäft einzieht. Hier hat man noch Achtung vor der Fassade.

Schließlich finde ich die Straße wieder, die auf die Rurbrücke führt. Wir queren die noch immer vielbefahrene Straße mit Hilfe der Ampel, sehen uns auf dem inselartigen Quartier zwischen Rur und Maas um. Die Einkaufstouristen verirren sich nicht mehr hierher, dafür ist an der Maas wild gebaut worden – ein Hochhaus wird noch hochgezogen. Wir lehnen uns auf die Hafenmauer, gucken uns die Freizeitboote an, die in der Marina festgemacht haben. Bötchen soweit das Auge reicht, irgendwo im Hintergrund Maas und Wiesen, zur Rechten die laut rauschende Autobahn. Nach einer Umrundung der neuen Blocks gehen wir zurück zur Brücke, kleine Häuser, das ausgebaute Rurufer mit seinen Ausflugsbootanlegern.

Am unteren Ende der Brugstraat war mir von den früheren Ausflügen her noch eine Snackbar erinnerlich, die auch tatsächlich noch existiert: Mi-Ja, der Name klingt asiatisch, wahrscheinlich ist das nur die Kurzform von Marc & Janine. Sie gehört übrigens zu Pommesbudengruppe Snackpoint:

Snackpoint ist eine bis ins kleinste Detail durchdachte Kooperation von selbständige Unternehmer und Imbißstuben.
Das Snackpoint Sortiment basiert auf die Qualität der Top Markenprodukte. Diese starken Marken bestimmen größtenteils den Erfolg von Snackpoint.
Snackpoint bürgt für das beste Preis/Qualitätsverhältnis. Ein unabhängiges Prüfungsunternehmen testet 2 Mal jährlich die Presentation, die Hygiene und die Ablauforganisation.
Die Zertifikate die in jeder Snackpoint-Niederlassung hängen, sind für Sie eine extra Garantie für die Qualität Ihres Snackpoints.

Da wir inzwischen Hunger haben, holen wir uns hier erstmal eine Pommes mit Zuurvlees-Sauce und Bitterballen mit Pommes, setzen uns damit an einen der beiden Tische auf der Straße. Die Sauerbratensoße ist ausgesprochen lecker.

Danach geht’s zurück in den Trubel, bergan zum Marktplatz, der gerade vom Wochenmarkt belegt ist. Auch dieser Platz ist von Cafés und Kneipen umgeben, die Stühle draußen sind fast alle besetzt. Wir beschließen, die weitere Erkundung der Stadt auf später zu verschieben und als nächstes zum überall per Wegweiser ausgeschilderten Outlet-Center hinüberzuwechseln. Tatsächlich ist es von der Innenstadt in fünf Minuten zu Fuß erreichbar, von dieser nur durch eine breite Straße getrennt, die man allerdings mit Hilfe einer Unterführung, die auch Düsseldorf gut zu Gesicht stehen würde, quert. Dahinter tut sich eine gigantische Baustelle auf, hier wird gerade reichlich Beton in Form gegossen, Wohnungen und Büros entstehen, aber auch ein Multiplex mit sieben Sälen. Wir zweifeln an der Sinnhaftigkeit der Investition, können uns nicht vorstellen, dass die zu einem Gutteil deutschen Einkaufsausflügler sich zu einem Kinobesuch werden hinreißen lassen. Scheußliche Großkinos haben sie schließlich daheim, in einem Factory Outlet einkaufen können sie aus bekanntem Grund zuhause hingegen nicht.

Und damit wären wir bei unserem zweiten Ziel (neben Häusergucken). Das Outlet Center ist Anfang des Jahrtausends auf einem Gelände hochgezogen worden, das vorher von einer Kaserne belegt war. Tatsächlich lassen zwei größere Gebäude im Eingangsbereich die Herkunft noch erkennen. Niederländische Kasernenarchitektur der späten 50er hat sich offensichtlich vom deutschen Pendant nicht grundlegend unterschieden. Dahinter aber ist alles neu. Nun ist hier nicht eine Mall im ece-Stil entstanden, sondern eine unüberdachte perfide Dorfsimulation, die dem deutschen (und wahrscheinlich auch dem niederländischen) Gemüt sehr entgegenkommt. Kleine, zu kleine Häuschen in allen möglichen europäischen Stilen, von Hazienda über Fachwerk bis zum holländischen Lagerhaus, ausgefüllt mit 150 Läden, eine Miniaturstadt. Der Blick hinter die Kulissen offenbart allerdings den Betrug: Die Fassaden sind nur auf- und vorgesetzt, dahinter lauert schnödeste, effiziente Kastenarchitektur aus Beton, ein klinischer Anlieferungsbereich.

Wir blenden alle Skrupel aus und steuern schnurstracks den Shop von Burlington an. Ich erörtere mit einem schwulen Ehepaar die verschiedenen Blauvarianten. Im Austausch gegen 75 Euro nehmen wir 15 Paar Socken mit, 11 für mich, 4 für die Gattin, der Kassenzettel ist ein lustiger Mischmasch aus Deutsch und Nederlands. Anschließend drehen wir noch anderthalb Runden durch die Gasse, welche die Läden zusammenhält. Die ganzen Klamottenhöker wecken indes keine Begehrlichkeiten bei uns, zu scheußlich ist die all die Markenware. Und auch jene wenigen Läden, die keine Oberbekleidung feilbieten, veranlassen uns nicht zu weiterem Geldausgeben.

Die pralle Sonne macht mir langsam Kopfschmerzen, ich könnte zwecks Ibu-Schluckens eine Cola brauchen. Wer schon in der Innenstadt war, ist allerdings für die Gastronomie dieses Outlet-Centers verloren. Folglich trollen wir uns ins pralle Roermonder Leben zurück. Ein Schild an der Riesenbaustelle weist den geneigten Moffen darauf hin, dass die Innenstadt nach wie vor nur zwei Minuten entfernt liegt, auch wenn es angesichts der provisorischen Wegführung nicht so aussieht.

Eben jene Innenstadt hat nebenbei in den Jahren seit 2001 einen erheblichen Aufschwung genommen. Das Kalkül der Stadtverwaltung ist aufgegangen: Von den 2,8 Millionen Leuten, die das Outlet Center jährlich anzieht (no pun intended), verirren sich tatsächlich 40% in die alte Stadt, geben dort weiteres Geld aus. Wie gesagt hatte ich Roermond eher als sterbend in Erinnerung, dem Verfall preisgegeben. Doch die Menschenmassen haben den Prozess umgekehrt; es haben nicht nur viele neue Geschäfte und Cafés aufgemacht (darunter logischerweise auch die üblichen Ketten) – der unerwartete Geldzufluss hat zudem zur allgemeinen Aufhübschung der Innenstadt geführt: kaum Leerstand, viele Häuser sind saniert worden, es wird weiter gebaut und renoviert. Dass das volkswirtschaftlich gesehen allerdings nur ein Nullsummenspiel darstellt, sieht man daran, dass Venlo inzwischen schwer an der Verlagerung des Einkaufstouristenstroms zu knabbern hat – die Leute, die hier unterwegs sind, fehlen dort.

Ich kaufe mir auf dem Markt, der zu für deutsche Marktzeiten später Stunde noch nicht eingepackt hat, einen Berliner Ballen, nehme aber von einer Dose Cola für 1,50 Abstand. Wir gehen in einen Deko- und Pseudoantiquitätenladen, schnüren durch ein weiteres »konventionelles« Einkaufszentrum, das irgendwie in die alte Bausubstanz hineingefummelt worden ist, gucken uns dort eine Auswahl an Minifriteusen an, finden anschließend tatsächlich auch eine größere Buchhandlung mit Vollsortiment, wo ich aber nur das aktuelle »Vrij-Nederland«-Heft mitnehme (»delicious« ist vergriffen). Ein Ziel haben wir jetzt nicht mehr (wenn man mal von Albert Heijn absieht, aber der ist erst fürs Ende der Exkursion vorgesehen).

Also laufen wir weiter Straßen entlang, gucken Häuser. In Roermond stehen auffallend viel Kirchen herum, katholische zumeist, oft mit Klosteranbindung, nicht alle werden noch genutzt. Außerdem gibt’s scheinbar an jedem dritten Haus eine Nische mit Muttergottesstatue. Die lutherische Gattin ist vom hiesigen Marienkult etwas genervt. Unsere Straße verendet in Kifferkneipen und asiatischen Restaurants, an einer großen Kreuzung. Das alte Roermond ist hier zuende, wir machen kehrt, gehen auf einer Parallelstraße zurück, bis zum Münsterplatz, wieder hinein in die Fußgängerzone.

Eigentlich haben wir uns müde gelaufen und eine Kaffepause dringend nötig. Allerdings habe ich Angst, dass dabei der Kreislauf völlig in die Binsen geht. Also schleppen wir uns weiter. Da wir fußgängerzonig alles durchhaben, biegen wir einfach in irgendeine Seitenstraße ein. Auch hier kleine Läden, Wäsche und Antiquitäten. Noch mehr Kirchen, und dann nur noch Wohnhäuser. Eine lange Backsteinmauer, hinter der gebaut wird, eine Klostermauer augenscheinlich, mit verschlossenen Pforten, die Blick auf einen kleinen Park freigeben (neben der Baustelle). An der letzten Maueröffnung kann man das Pärkchen dann tatsächlich betreten, und wir gehen hinein. Es ist überraschend still in der Anlage, nur wenige Touristen finden hierher. Wir platzen uns auf eine klebrige Bank unter Lindenbäumen, hell liegt der Rasen da, von Altweibersommerspinnweben durchzogen, Mücken tanzen in der Sonne, Laub liegt auf den Wegen, irgendwelche nicht zuzuordnende Partikel rieseln herab. Wir gucken uns nochmal unsere Socken an, brechen nach einem Viertelstündchen wieder auf, nehmen beim Hinausgehen noch diverse Hirschskulpturen und Brunnen in parterreartigen struppigen Rabatten in Augenschein. Neben der Pforte die übliche Maria in einer Nische.

Zurück auf der Straße laufen wir weiter stadtauswärts, in der Richtung vermute ich den Albert Heijn. Wir kommen tatsächlich an dem Platz heraus, an dessen Ecke der Imbisswagen steht, den ich von früheren Radausflügen her kenne. Auf Umwegen queren wir die Hauptstraße und sind auch bald bei besagtem Supermarkt. Dort kaufen wir ausführlich ein, Pferderauchfleisch, Wurst und Speck, Pfannkuchen, ein Sixpack Weißbier der limburgsen Marke »Korenwolf«, sowie Kipcorn und Kaassouflet. In weiser Voraussicht hatten wir heute morgen die Kühltüte vom Plus eingepackt, und hoffen, so das Tiefkühlzeugs heil nach Hause zu bekommen.

Weiter die Hauptstraße entlang, bahnhofswärts. Selbst ich habe die Schnauze dermaßen voll von der Latscherei, dass ich keine Lust mehr auf einen Kneipenbesuch verspüre und stattdessen vorschlage, in den nächstbesten Zug Richtung Heimat zu steigen. Der soll praktischerweise in zehn Minuten fahren, die Zeit reicht knapp, um beim Bahnhofskiosk noch ein Fläschchen Cola zu holen (2,10 für 0,3 – nicht schlecht). Vor mir stehen zwei NS-Mitarbeiter in der Schlange, die für ihre zwei Becher Kaffe nur 30 Cent dalassen müssen, sie zahlen mit einer speziellen Karte. Der Kiosk scheint also auch Kantinenersatz zu sein. Aus Deutschland hört man ja ähnliches.

Auf dem Bahnsteig warten schon überraschend viele Menschen; um kurz vor halb sechs, mit einigen Minuten Verspätung, trödelt dieselbe Wattenläufergarnitur ein, in der wir schon am Morgen geschwitzt haben. Der Zustand des Zuges hat sich nicht verbessert, wir werden immer noch gekocht, die Wassertanks im Klo sind leer, an der Schüsselwand sind die Reste einer Wurst zu bestaunen.

Erwähnte ich schon, dass man vom Zug aus kilometerlang eine Autobahn kurz vor der Vollendung bewundern darf? Für welche die Bahn im Bereich der Station Reuwer sogar verlegt worden ist. Da haben wir also die Verlängerung der A73, während der ÖPNV nebenan fröhlich vor die Hunde gehen darf.

Der Zug verteilt seinen Fahrgastinhalt unterwegs auf die Dörfer. Nur die Wenigsten haben Venlo als Ziel, und wieder ist es nur eine Handvoll Menschen, die auf den RE13 in die Bundesrepublik wechselt. Davon abgesehen ist der Bahnsteig aber mit Wartenden gut belebt, die übliche Mischung aus Kiffern, Einkaufstouristen und unternehmungslustigen Rentern. Trotzdem wird der Zug nicht so voll, dass wir nicht einen 4er für uns hätten, in Kaldenkirchen setzt sich ein Nachwuchs-DJ mit Nebelmaschine im Handgepäck zu uns.

Ab M’Gladbach sind wir wieder unter uns, und so machen wir uns erstmal über die mit Schokolade überzogenen Miniwindbeutel vom AH her. Sehr süß sind sie, und sehr weich, trotz Kühltüte. In Düsseldorf füllt sich der Zug dann bis zum letzten Platz, ich darf einer älteren Frau beim Kaugummikauen zugucken. Pünktlich um kurz nach halb acht sind wir wieder in Barmen, zuhause stelle ich das Weißbier kalt, der Wurstproviant wird im Kühlschrank verstaut, und dann werden zum Abschluss des Tages noch zwei Kipcorn und zwei Kaassoufflés in die Pfanne gehauen.

Und die restlichen herzeigbaren Fotos vom Tage gibt’s bei Zooomr.