Ehrungen, Wirrungen

Sofern ich das recht überblicke, ist er der einzige Barmer Jung, vor dem die Stadt im Norden öffentlich die Kappe zieht. Ein Trepplein zwischen properen Altbauten in der Neustadt – das passt, das geht so in Ordnung:

Das Hundeklo vorm S-Bahnhof Hoheneichen im ansonsten eher gehobenen Vorort Wellingsbüttel ist hingegen aubacke. Und musste Hamburg unbedingt und ausgerechnet einen Kanzelredner nehmen? Wahrscheinlich, denn hat das Muckertal in der Warengruppe Geistiges jemals anderes exportiert?

Zum Glück besteht keine Gefahr, dass diese affirmationssüchtige Stadt gewisse andere Wanderprediger aufs Schild hebt. Gut so, muss sich hinterher keiner (fremd)schämen. Kann man sich da allerdings wirklich sicher sein? Wie schrieb Arno Schmidt am 20.9.57 aus Darmstadt an Peter Rühmkorf:

In Hamburg SPD?: Was nützt’s, solange die Stadt ihren größten Sohn am Darm wesen läßt?! Ich verlange ja gar nicht, daß man den Ort in ›Smithville‹ umtauft; […] (nur gut, daß mein dortiges Geburtshaus, Rumpffsweg 27 in Trümmern liegt: da entfällt wenigstens jede Möglichkeit, mich durch Anbringung einer Gedenktafel zu vereinnahmen!). -

Ja denkste. Oder wie der Herausgeber in den Anmerkungen sagt: »Hier irrt Schmidt.«

Zu seinem 70sten Geburtstag ließ die hiesige Kulturbehörde obige Tafel ans neue Haus schrauben. Auf einen brieflichen Hinweis, Schmidt sei in Celle gestorben (also nicht daheim, sondern im Krankenhaus), antwortete die Behörde, dass man dies zwar gewusst, sich jedoch für den eingemeißelten Sterbeort »entschieden« habe.

Um dem Fass die Krone ins Gesicht zu schlagen, heißt seit 2004 der damals neugeschaffene Freiraum vor der städtischen Zentralbibliothek – genaugenommen handelt es sich um den Deckel eines Parkhauses – »Arno-Schmidt-Platz«.

Gibt’s passenderes für einen Büchermenschen!? War schnell gemacht und gekostet hat’s auch nicht viel. Wer jetzt nämlich denkt: »Tolle Adresse auch für die Bücherei« – haha, nochmal Hustekuchen: Die Anschrift des Gebäudes, in dem letztere residiert, lautet wie ehedem, skurril genug, »Hühnerposten 1«. Und sonst stehen keine Häuser am Platz. Kein Datensatz musste angefasst werden, kein Briefpapier neu gedruckt, kein Briefkopf trägt den Namen Arno Schmidts hinaus in die Welt. Was bleibt: Ein windschiefes Pseudostraßenschild im Gleiszwickel des Hauptbahnhofs.

Ein Hoch hingegen auf die Stadt Celle, der Hamburg den großen Toten nicht gegönnt hat:

Geht doch.

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