»Noch das private Schenken ist auf eine soziale Funktion heruntergekommen, die man mit widerwilliger Vernunft, unter sorgfältiger Innehaltung des ausgesetzten Budgets, skeptischer Abschätzung des anderen und mit möglichst geringer Anstrengung ausführt. Wirkliches Schenken hatte sein Glück in der Imagination des Glücks des Beschenkten. Es heißt wählen, Zeit aufwenden, aus seinem Weg gehen, den anderen als Subjekt denken: das Gegenteil von Vergesslichkeit. Eben dazu ist kaum einer mehr fähig.«
(Adorno: Minima Moralia)

Ich bin nicht der erste, der das Zitat abtippt, aber es lief mir bei der Lektüre gerade passend über den Weg. Ich bin mir auch nicht sicher, ob es um das Schenken einst wirklich besser bestellt war. Der Definition des »wirklichen Schenkens« pflichte ich jedoch gerne bei. Und ich schätze mich glücklich, Freunde zu haben, für die das Schenken noch nicht auf eine soziale Funktion heruntergekommen ist, die dazu fähig sind, beim Wählen Zeit aufzuwenden und Umwege auf sich zu nehmen. Die mir zum Wiegenfeste ganz selbstlos eine Stromgitarre hingestellt haben, meine erste funktionstüchtige seit mehr als einen Jahrzehnt.

So viel Aufmerksamkeit und Empathie machen mich ja immer ganz verlegen und sprachlos. Daher also nochmal: Dank euch allen. Euch werde ich vermissen.